Sandling-Westwand

Reinlweg, meist III+; Lichteneggerkamin IV+/V-; 28.9.12, 1.7.13, 29.8.14

Zufahrt von der Ortschaft St. Agatha (Bad Goisern) Richtung Lambacherhütte; vom Parkplatz Lambacherhütte (Schranken) ca. 75 min vorbei an der teilbewirtschafteten Lambacherhütte der ÖAV Sektion Lambach zur vorderen Sandlingalm; oder über Lupitsch bis zum GH Sarsteinblick und in ca. 50 min zur Sandlingalm. Von dort ca. 45 min. zuerst über Felsbrocken, dann über Schroffen zum Einstieg (Normal- und 1 Bohrhaken im oberen Teil des Zustieges). (markanter, im unteren Teil abgebrochenen Pfeiler); rechts durch den Lichteneggerkamin; links vom Pfleiler der Original Reinlkamin - selten begangen.

History: Die Erstbegehung erfolgte 1906 durch den Bergbauingenieur Hans Reinl, Rudolf Lettner und Ignaz Proksch. Im September 1920 fiel ein Teil der Sandlingalm  einem gewaltigen Bergsturz zum Opfer. Der rund 200 m hohe Sandlingturm stürzte fast zur Gänze ein. 1925 wurde die Lambacherhütte errichtet und in der (brüchigen) Westwand wurden mehrere Routen erschlossen. So z. B. 1932 die Südwestkante durch Spep Lichtenegger und Hans Gamsjäger. Mit der Entwicklung des Sportkletterns verlor die Sandlingwestwand an Bedeutung.

 

Verhältnisse mit 29.8. 2014

Der Lichteneggerkamin ist nun mit 6 BH und einer Seilschlinge um einen Klemmblock vernünftig alpin abgesichert. Trotzdem ist wegen der Brüchigkeit größte Vorsicht geboten (auch für den sichernden Nachsteiger). Die Ausstiegrinne wurde durch einen Feslsturz stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie ist mit erdigem und sandigem Material durchzogen und bietet kaum  Tritte und Griffe, allerdings nun einen Bohrhaken (rechts). Durch den Felssturz dürfte auch der Standplatz beim Einstieg gelitten haben. Es existiert nur mehr ein schmales Band. Es wird daher geraten, den Sitzgurt bereits auf der Sandlingalm anzulegen.

 

1. SL, 35 m: Vom Einstieg des Lichteneggerkamins leicht links haltend bis zum eigentlichen Kamin (bis dahin 3 BH), III. Wegen des losen Gesteins sehr konzentriert durch den Kamin (IV+/V-); danach  wieder 2 BH. Einige Meter in leichterem Gelände(III) bis zur Klemmblockschlinge (kan auch als Zwischenstand verwendet werden), nach dieser hinauf in die Ausstiegsrinne (erdig, sandig!). In der Mitte der Rinne rechts ein BH. Dann hinauf zum Stand an einer Lärche.

2. SL, 25 m: Vom Stand oberhalb des nun von unten heraufkommenden Reinlkamins zur Wand der 2. SL queren. Hier bieten sich 2 Varianten an: entweder rechts in die tolle Verschneidung (IV) oder gerade aus über gut griffige Wand (III, 1 BH) zu einer Latsche hinauf, die linkshaltend umgangen wird. Stand (2 BH). Beide Varianten sind mit mobilen Sicherungsgeräten gut absicherbar, durchwegs festes Gestein. 

3. SL, 37 m: Sie beginnt mit einem ausgesetzten Quergang (III+, 1 NH, 1 BH) zu einem Schartl (brüchig!), von dort ca. 3 m absteigend (2 BH) zur Höhle mit Routenbuch. Von der Höhle noch eine ausgesetzte, grasige Querung zum nächsten BH (lange Bandschlinge einhängen) und dann einige Meter hinauf zum Stand (Klemmblockschlinge).

4. SL, 25 m: Durch ein 'Loch' in die Ausstiegswand (III+, 2 BH). Je nach Geschmack linkshaltend  in einen Kamin oder hinaus in die gut griffige  Wand. Stand entweder mit einer langen Bandschlinge um einen Felszacken oder im 'Hinterland' an den Latschen. Danach noch ca. 15 m unschwierig zum Gipflekreuz.

Für die  4 Seillängen zum Sandlinggipfel sind  1 1/2 bis 2 Stunden zu veranschlagen. Für den Zustieg  (II, teilw. III, ausgesetzt!) von der vorderen Sandlingalm ca. 45 min. Insbesonders die 2. SL ist mit Friends bzw. Keilen gut absicherbar. Auch in den anderen SL kann zusätzlich zu den BH etwas mobil abgesichert werden. 

Obwohl sich die technischen Schwierigkeiten in Grenzen halten, ist diese Tour wegen der Brüchigkeit und teilweisen Ausgesetztheit ein sehr ernstes alpines Unterfangen und nur erfahrenen Kletterern empfohlen. Alle Angaben ohne Gewähr; sie beziehen sich auch nur auf den Zustand am 29.8.2014!

Material: 50 m Einfachseil (aus Sicherheitsgründen besser Doppelseil),  7 Exen, Bandschlingen, 3-4 Friends mittlerer Größe, ev. Satz Klemmkeile, Helm!!

Der Abstieg erfolgt über den Normalweg (ca. 45 min zur vorderen Sandlingalm, 60 min zur Lambacherhütte).

Reinlkamin: Bei der Tour am 29.8.2014 wurde auch der Reinlkamin durch Abseilen bis zum Klemmblock 'inspiziert' und folgendes festgestellt: Der Klemmblock versperrt den Kamin total und kann nicht mehr, wie im 'Rabeder-Führer' beschrieben, 'unten durch' erklettert werden. Vermutlich hat sich im Laufe der Jahre hinter dem gewaltigen Klemmblock Material angesammelt und die Durchstiegsmöglichkeit geschlossen. Vielmehr empfiehlt es sich, den Klemmblock auf der rechten Seite zu umklettern (gute Griffe, leicht überhängend) Geschätzter Schwierigkeitsgrad V+. Der untere Teil des Kamins scheint von fester Felsqualität zu sein. Nach dem Klemmblock geht es leichter (III+) in halbwegs festem Fels, an der rechten Wand sind 2 NH, die bei Rabeder als 'Stand' bezeichnet werden,  zum Stand an der vorhin beschriebenen Lärche. Im Kamin unter dem Klemmblock wurden keine Haken gesichtet.

Insgesamt scheint der Reinlkamin von wesentlich besserer Felsqualität als der Lichteneggerkamin zu sein. Allerdings ist die Schlüsselstelle um den Block herum mobil nicht  absicherbar. Ein Sturz dort hat böse, wenn nicht tödliche Folgen! Vielleicht findet sich jemand, der in diesem interessanten Kamin ein paar Bohrhaken anbringt ((-:).

 

Topo+Sandling+Westwand_neu.pdf
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